Freunde des Bayerischen Armeemuseums e.V.
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Das Zündnadelgewehr

Das preußische Zündnadelgewehr

Die österreichischen und die bayerischen Niederlagen von 1866 werden oft auf die Wirkung des preußischen Zündnadelgewehrs reduziert. Die Hintergründe aber waren weit komplexer.

Von Dr. Dieter Storz

Dieser preußische Zündnadelkarabiner ist am 26.Juli 1866, einen Tag vor der Niederlage, in der Schlacht von Hettstadt erobert und 2009 vom Verein der Freunde erworben worden.

Als Preußen 1841 das Zündnadelgewehr einführte, blickte die Waffe auf eine jahrelange Entwicklungszeit zurück. Ursprünglich war es seinem Erfinder, Nikolaus von Dreyse, darum gegangen, den Ladevorgang zu vereinfachen: Geschoss, Treibladung und – das vor allem war wichtig! – das Zündmittel sollten in einem Gebinde vereint und so geladen werden. Denn bis dahin musste der Schütze mühsam Pulver, Dämmung und Kugel hintereinander in den Lauf einführen und mit dem Ladestock stopfen. Entzündet wurde das durch ein Perkussionshütchen, das vorher aufgesetzt werden musste.

 

Um das Laden zu vereinfachen, setzte Dreyse das Geschoss in einen Treibspiegel aus Pappe, den „Zündspiegel“. An dessen Rückseite war die „Zündpille“, die entzündet wurde, indem eine federgetriebene Nadel von hinten durch die Papierumhüllung der Patrone und die Treibladung stach. Die preußische Armee erprobte die Waffe als Vorderlader, doch war dies gefährlich. Wenn die Nadel nach dem Schuss nicht zurückgezogen wurde, erfolgte eine Entzündung beim Laden. Dreyse baute daher sein Gewehr zum Hinterlader um.

 

Aus Gründen der Geheimhaltung hieß die neue Waffe „leichtes Perkussionsgewehr M/41“. Vorerst wurde nur ein Teil, ab 1858 dann die gesamte preußische Linieninfanterie mit dem Zündnadelgewehr ausgerüstet. Mit der Geheimhaltung war es spätestens 1848 vorbei, als bis dahin in Zeughäusern verwahrte Waffen durch die Revolution ans Licht kamen. Nichts erstaunt an der Geschichte des Zündnadelgewehrs mehr, als dass bis 1866  keine weitere Armee einen Hinterlader eingeführt hat. Alle deutschen und nichtdeutschen Armeen beschafften in den 1850 er Jahren neue Gewehre, aber durchwegs Vorderlader. Österreich und die süddeutschen Staaten wählten das damals ungewöhnlich kleine Kaliber 13,9 mm. Ballistisch waren diese Waffen dem Zündnadelgewehr mit seinem vergleichsweise großen Kaliber von 15.43 mm und niedriger Mündungsgeschwindigkeit überlegen. Die Schussfolge der neuen Vorderlader aber blieb langsam und laden konnte der Schütze sie weiterhin nur im Stehen.

 

Alb 1860 änderte sich das Meinungsklima: Die Anhänger des Hinterladers setzten sich allmählich durch, aber zur Entwicklung neuer Waffen fehlten Zeit und Geld. 1866 hatte das Zündnadelgewehr seinen großen Auftritt. Die Österreicher arbeiteten dem preußischen Schnellfeuergewehr mit geradezu musterhaft falscher Taktik entgegen, indem sie Ihr Präzisionsgewehr zum Bajonetthalter degradierten und ebenso heroisch wie vergebens in den preußischen Bleihagel rannten.

 

Jetzt verlangte alle Welt nach Hinterladern, vorhandene Modelle wurden auf Hinterlader umgebaut. Auch der damals beste Hinterlader seiner Zeit, das bayerische Podewils Gewehr, wurde ab 1867 zum Hinterlader umgebaut. Das Zündnadelgewehr war technisch und ballistisch überholt und seine Ablösung durch eine moderne Waffe schon beschlossen, als 1870 der Deutsch-Französische Krieg ausbrach. Dem neuen französischen 11-mm-Hinterlader war das Dreyse-Gewehr weit unterlegen; nach 1871 verschwand es so schnell aus der Bewaffnung, wie der Vorderlader nach 1866.  Dr. Dieter Storz

 

1869 ist in der Bayerischen Armee das Werdergewehr eingeführt worden. Es war das erste deutsche Militärgewehr für Patronen mit Metallhülsen. Bei Ausbruch des Krieges 1870 waren vier Jägerbataillone damit ausgerüstet. Als der Krieg endete waren es 12 von 58 Bataillonen.

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